Der Winter ist zwar offiziell vorbei, doch auch im FrĂ¼hling lohnt es sich mit den Tourenskis oder dem Splitboard loszuziehen. FrĂ¼hlingstouren haben ihren ganz besonderen Reiz. Wir stellen dir in diesem Beitrag ein paar Highlights vor und zeigen auch, welche UnterkĂ¼nfte noch offen sind.
Ski&Fly
Eine Nische mit riesigem Potenzial
Reto Reiser
Eine Kombination von Bergsteigen, Skitouren und Gleitschirmfliegen. Dies hört sich erst mal nach einem sehr schweren Rucksack an und etwas erzwungen. Wieso soll man runter Fliegen, wenn man die Skier dabei hat? Ich möchte euch anhand von zwei Touren auf den Calanda und den Mont Blanc diese aussergewöhnliche Kombination etwas näher bringen.
Es wird wieder FrĂ¼hling, und wie immer sind die Berge oben noch schön weiss, aber unterhalb der Waldgrenze ist der Schnee Mangelware. In Scharen laufen die Tourengänger von den höher gelegenen Ausgangspunkten wie zum Beispiel dem FlĂ¼elapass los und suchen die letzten Flecken Schnee. FĂ¼r mich ist dies der Zeitpunkt fĂ¼r die grösseren Projekte in Kombination mit dem Gleitschirm, auch um den Massen etwas auszuweichen.
Von Haldenstein (550m) auf den Haldensteiner Calanda (2805m)
An einem sonnigen Tag im April starte ich um 10 Uhr morgens in Haldenstein. Ich komme direkt vom Nachtdienst, daher der späte Start. In meinem Rucksack habe ich einen kleinen Gleitschirm (mit Gurtzeug zusammen 2 kg), meine ultraleichten Tourenski, Tourenschuhe und genĂ¼gend warme Kleidung. Der ganze Rucksack inklusive Verpflegung und was sonst noch alles so zu einer Skitour gehört wiegt etwa 8 kg, also gar nicht mal so schwer.

In den Turnschuhen geht es hoch bis zur Waldgrenze auf 1800m, dort wechsle ich auf die Tourenskier. Via CalandahĂ¼tte bin ich schliesslich 2200 Höhenmeter und drei Stunden später auf dem Haldensteiner Calanda auf 2805m. Weit und breit keine anderen Tourengänger, eine wunderbare Ruhe auf dem verschneiten Gipfel.
Quasi auf dem Gipfel packe ich meinen Gleitschirm aus und lande um 14 Uhr wieder in Haldenstein. Um 15 Uhr liege ich zu Hause im Bett und bekomme vor dem nächsten Nachtdienst genĂ¼gend Schlaf.



Von Chamonix (1000m) auf den Mont Blanc (4810m)
Ein Projekt, was ich schon länger im Hinterkopf habe. In einem Tag auf den höchsten Berg der Alpen und zurĂ¼ck. Mitte April breche ich zusammen mit Marc Erb (ein guter Freund und BergfĂ¼hrer Aspirant) auf Richtung Frankreich. Um 1:30 Uhr in der Nacht laufen wir in Chamonix los. Auch dieses Mal sind die Skier fĂ¼r die erste Stunde aufgebunden. Der Rucksack wiegt nun ca. 12 kg, da wir zusätzlich noch Seil und GletscherausrĂ¼stung dabei haben.

In der Morgendämmerung kommen wir beim Refuges Les Grands Mulets auf 3000m vorbei, Halbzeit. Die Beine sind noch fit, langsam merken wir aber die fehlende Akklimatisation. (einige Details und Tipps zur Akklimatisation findest du Ă¼brigens in einem frĂ¼heren Artikel auf diesem Blog: Bergsteigen im Himalaya).

Weiter geht’s die schnelle Route hoch Ă¼ber “Le Petit Plateau”. Der Eisschlag von Ostern ist noch gut sichtbar. Einen Tag nach uns kommt an dieser Stelle nochmal Eis runter und verschĂ¼ttet zwei Tourengänger. Wir ziehen unsere Lehren daraus. Ab dem Refuge Vallot auf 4300m wechseln wir auf die Steigeisen. Auf diese Höhe spĂ¼ren wir unsere Pumpe schon sehr. Leider ziehen Wolken auf und es beginnt zu Schneien. Bei der schlechten Sicht, dem Wind und auf dem blanken Eis auf dem letzten Grat entscheiden wir uns auf 4600m umzukehren.


Auf etwa 3500m ist die Sicht wieder gut und der Wind passt auch, so fliegen wir Ă¼ber die Gletscherlandschaft und landen 15 Minuten später in Chamonix. 13 Stunden und 3700 Höhenmeter später sind wir wieder beim Auto.

Diese zwei Touren zeigen gut, was alles mit einer solchen Ski&Fly Kombination möglich ist. Ist der Schnee nicht gut oder hat es zu wenig, so erspart man sich so einen mĂ¼hsamen Abstieg ins Tal. Mit dem Gleitschirm lassen sich auch wunderbar neue Routen und unbefahrene Hänge erschliessen. Grosse Touren wie diese auf den Mont Blanc sind natĂ¼rlich nichts Alltägliches und brauchen viel Planung und Erfahrung in Gleitschirmfliegen und Skihochtouren. Und natĂ¼rlich braucht’s auch etwas Kondition.
Am 11. Juni startet das Red Bull X-Alps. Wie ihr seht bin ich hierfĂ¼r fleissig am Trainieren und kann euch beim nächsten Mal hoffentlich einige tolle Geschichten aus dem Rennen erzählen. Tipp: Das X-Alps lässt sich online via offiziellem Livetracking verfolgen.