Wildromantische Geniesser Tour

Von einer unvergesslichen Durchquerung des Parc Ela

Bericht von Jared & Sirah (Go Vertical Ambassadors)

2-Tages-Tour im Parc Ela – Biwak unterm Sternenhimmel, Käsefondue mit Sonnenuntergangs-Panorama und endloser Badespass: Willkommen im «wilden Herzen» Graubündens!

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Piz Ela im Abendlicht

Der Parc Ela im Kanton Graubünden ist der grösste regionale Naturpark der Schweiz. Namensgeber ist der 3’338m hohe Piz Ela. Zusammen mit dem Tinzenhorn (3’173m) – das «Matterhorn von Davos» und dem Piz Mitgel (3’159m) bilden sie die weit sichtbaren Bergüner Stöcke – die wahrhaftig an die Dolomiten erinnern.

Unsere Tour startete bei bestem Wetter in dem kleinen Ort Filisur. Der abenteuerliche Schaftobelweg führte uns durch eine Schlucht, am beeindruckenden Schaftobelfall vorbei, in den Parc Ela. (Vorsicht der Weg ist offiziell gesperrt vermutlich wegen erheblicher Steinschlag-Gefahr und unterspülter Weg-Passagen! Unbedingt nur bei geeigneter Witterung und entsprechender Ausrüstung/ Erfahrung begehen und die Aufenthaltsdauer auf ein Minimum halten. Alternativer Zustieg von Bergün aus).

Nach diesem wilden Start in sengender Hitze ging es erst durch herrlich schattigen, später lichten Bergwald, bis wir in die steile „Krautrinne“ einbogen – ein Aufstieg, von uns so getauft, weil er …naja, unwegsam, vergrasst und krautig-zugewachsen war. Aber der Kampf wurde mit einer ersten tollen Aussicht belohnt – perfekt für eine Verschnauf- und Snackpause.

Es war Zeit für uns zu überlegen, wie wir den restlichen Nachmittag gestalten und wo wir unser Lager für die Nacht aufschlagen wollen. Zuhause hatten wir (während der Planung) bereits ausgiebig die Karten studiert und verschiedene Optionen ins Auge gefasst. Am attraktivsten war für uns die Besteigung des Piz Cuelmet (2’817 m) über den sehr schroben Nordgrat. Wir wollten kraxeln, ein wenig Nervenkitzel – eben einen «coolen» Gipfel. Jedoch konnten wir sehen, wie sich bereits der Schatten unserem Schlafplatz näherte. Die mittlerweile als angenehm empfundene Sonne und die Pause versetzte uns in einen etwas gemütlicheren, entspannten Modus und der Gedanke, dass im Rucksack befindliche Käsefondue in der Abendsonne zu geniessen gewann sehr stark an Bedeutung.

Also haben wir uns kurzerhand dazu entschieden zur idyllischen Alp Prosot abzusteigen, um dann den 2’442 m hohen Chavagl Grond zu besteigen. Auf den ersten Blick ein sehr unspektakulärer Grashügel, bei dem höchstens die steile, zerklüftete Nordflanke ein wenig alpines Feeling geben könnte. Doch der Gipfel entpuppte sich als absolutes Highlight! Er bietet ein perfektes Panorama und ist der Spot, wo man am längsten Sonne hat. Ausserdem, Richtung Piz Ela erstreckt sich ein sanfter Rücken mit kleinen Mulden, ideal zum Biwakieren. Windgeschützt, eben, und mit Aussicht auf die grossen Stars: das Tinzenhorn und den Piz Ela selbst. Als die Sonne langsam hinter dem Horizont verschwand leuchteten die beiden Gipfel glutrot auf – und wir sassen mittendrin, mit dampfendem Käsefondue auf dem Gaskocher und Rotwein in unseren Bechern. Der Plan, über den ausgesetzten Grat zu kraxeln, war da längst vergessen.

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Traumhafte Sonnenuntergangsstimmung am Chavagl Grond (Gross Ross) mit Piz Ela im Hintergrund
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Biwak Platz am Sonnenaufgang

Am nächsten Morgen ging es zunächst rund 200 Höhenmeter hinunter zur Ela-Hütte, einer kleinen Selbstversorgerhütte mit Schlafplätzen. Am Wochenende ist der Hüttenwart vor Ort, der uns mit kleinen Snacks wie Schokolade, Biberli und Kaffee versorgt hat.

Frisch gestärkt machten wir uns bei glühender Hitze auf den Weg zum Pass d’Ela (2’724 m). Von dort aus hat man Blick auf die zwei Seen Lai Mort sowie Lai Grond. Bei den heissen Temperaturen wurde direkt die Gelegenheit genutzt sich in beiden Seen abzukühlen. Der deutlich grössere und dadurch auch kältere Lai Grond liegt direkt vor der steilen Ostwand des Piz Ela. Definitiv ein Badepanorama das seines Gleichen sucht!

Nach dem letzten Aufstieg über die Fuorcla da Tschitta (2’831 m) folgte der lange, letzte Abstieg hinunter zum Albulapass. Diese letzte Etappe brachte aber nicht nur müde Beine, sondern auch weitere Bademöglichkeiten: Der Bach, der sich durchs Val Tschitta schlängelt, bildet kleine Pools – die uns immer wieder zu einem Sprung ins kalte Nass verführten. Damit entpuppte sich der erst zähwirkende Abstieg doch auch noch zu einem weiteren Highlight und rundete die Tour perfekt ab.

Was diese Tour so besonders gemacht hat? Vielleicht war’s gerade der fehlende Plan. Klar, wir hatten im Vorfeld verschiedene Möglichkeiten rausgesucht – aber ohne uns zu verpflichten. Dadurch hatten wir immer Raum für Spontanes, für Umwege, für “lass uns mal da hoch”. Die Idee, den nördlich vom Tinzenhorn gelegenen Grat zu machen, haben wir zugunsten des Sonnenuntergangs gestrichen. Und ganz ehrlich: Der „langweilige“ Grasshügel war am Ende die beste Entscheidung überhaupt! Von dort aus hatten wir die besten Aussichten – und konnten noch lange die Abendsonne geniessen.

Diese zwei Tage haben uns gezeigt, wie schön und entspannend es ist, sich einfach mal treiben zu lassen. Die Berge machen schon was mit einem – wenn man ihnen Zeit gibt. Und das nächste Mal? Vielleicht steht dann der Piz Ela selbst auf dem Plan. Oder vielleicht auch nicht. Wir lassen das oben – und freuen uns aufs nächste Biwak-Abenteuer im Parc Ela.

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Publish date:
September 3, 2025
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