Marokko

Mehrseillängenabenteuer im Rifgebirge in Marokko

Bericht von Tim Steffen (Go Vertical Ambassador)

Im Dezember 2025 liessen wir uns für eine Woche in der Auberge Café Rueda in Al Oued in der Provinz Chefchaouen nieder. Es handelt sich dabei um eine Region im nördlichen Rifgebirge, in der nebst Sportkletterrouten auch richtige Mehrseillängenbijoux auf WiederholerInnen warten.

Das Café Rueda ist der perfekte Ausgangsort, um die verschiedenen Wände zu entdecken. Nebst gemütlichen Zweier- oder Mehrbettzimmern (eigenen Schlafsack mitzunehmen lohnt sich) gibt es Tajine und Couscous in diversen Varianten oder süssen Minztee zu probieren. Das einzige «offizielle» Topo der Region befindet sich ebenfalls im Café Rueda in Form eines chaotisch geführten Ordners. Die darin enthaltenen Informationen reichen aber meistens aus, um sich orientieren zu können. Einzig die Zustiegskrokis könnten etwas genauer sein.

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Blick von der Dachterrasse auf den linken Wandteil

Wir kletterten während unseres Aufenthalts drei Mehrseillängen und waren in zwei Sportklettersektoren unterwegs. Am Pausentag besichtigten wir die blaue Stadt Chefchaouen und beobachteten Berberaffen.

Wir entschieden uns für die Mehrseillängen Spéléologie, Africa und Sahara. Die letzten zwei haben uns etwas besser gefallen als die erste. Die Spéléologie war mit fünf Seillängen die kürzeste. Wir kletterten die Route an unserem ersten Tag, um uns auf die nächsten Tage einzustimmen. Der Einstieg der Route ist sehr einfach zu finden und in weniger als zwanzig Minuten waren wir vom Parkplatz aus am Wandfuss. Bereits von unten wird klar, wieso diese Route eingerichtet worden ist. Der Grund war in unseren Augen vor allem die vierte Seillänge, die Tufakletterei vom Feinsten bietet. Die Seillängen dahin sind ebenfalls okay, aber die Tufaseillänge bestimmt den Charakter der Route. Sie ist lang und steil und macht richtig Spass zum klettern. Kurz bevor wir beim Abseilen den Wandfuss erreichten, sahen wir in den Baumkronen eine Familie von Berberaffen. Mehrere Mütter mit ihren Babys turnten in den Bäumen herum. Sie waren sehr scheu und verschwanden, sobald wir wieder festen Boden unter den Füssen hatten. Rückblickend betrachtet waren die Affen das Highlight des Tages.

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Elin in den Tufas

Am nächsten Tag begaben wir uns in die imposante Kalkwand Caiat, wo sich im linken Teil die Africa befindet. Die Route ist 450 Meter lang und geht in elf Seillängen bis auf den Gipfel. Dieses Mal dauerte der Zustieg etwas länger und es galt zunächst, den Fluss zu überqueren. Die im Kroki eingezeichnete Brücke war nämlich nicht mehr vorhanden, aber eine baskische Seilschaft konnte uns den schnellsten Weg über den Fluss zeigen. Danach war die Wegfindung nicht mehr schwierig und auf einem gut ausgetreten Weg gelangten wir an den Wandfuss.

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Tim in der Verschneidungsseillänge

Es war bereits eine britische Seilschaft in der Route und so nutzten wir die Zeit, um uns noch ein bisschen aufzuwärmen. Sobald die Nachsteigerin aus unserem Blickfeld verschwunden war, begannen auch wir mit der Kletterei. Es folgten fünf wunderschöne Seillängen, die alle ihren eigenen Charakter hatten. Von kleineren Aufschwüngen über Verschneidungen bis hin zu bester Tropflochkletterei in rötlichem Fels war alles dabei. Danach muss ein langes Grasband, der Jardin de los monos (Garten der Affen), überquert werden, um an den oberen Wandteil zu gelangen. Dieses Mal sahen wir leider keine Affen.  Der zweite Teil der Mehrseillänge hat einen ganz anderen Charakter als der erste. Der Fels ist nun grau und bis auf einzelne Aufschwünge eher plattig. In der zweitletzten Seillänge kreuzten wir noch einmal die britische Seilschaft, die bereits am Abseilen war. Wir nutzten die Gelegenheit, um Fotos voneinander zu machen.

Vom Gipfel aus hatten wir dann eine wunderschöne Weitsicht bis zum Mittelmeer! Nach einer kurzen Pause machten wir uns ans Abseilen. Da die Wand selbst keine wirklichen Absätze hat, ging dies blitzschnell. Wieder am Wandfuss angekommen, packten wir schnell zusammen, um noch im Hellen wieder beim Auto zu sein. Die Africa ist definitiv eine sehr lohnenswerte Route, die sich in einem schönen Ambiente befindet. Die Kletterei macht durchgehend Spass und der Fels ist von bester Qualität.

Als letztes nahmen wir uns die Sahara vor. Allerdings brauchten wir drei Anläufe, bis wir schliesslich in die Route einsteigen konnten. Der erste Versuch endete damit, dass sich Elin im nächsten Spital gegen Tollwut impfen lassen musste, da wir auf dem Weg durch das Dorf von einem Rudel streunender Hunde verfolgt wurden. Am folgenden Tag wagten wir den nächsten Versuch, diesmal fuhren wir aber mit dem Auto durch das Dorf. Doch auch dieser Anlauf scheiterte, da wir nach fast zweistündiger Suche den Zustieg zur Wand immer noch nicht gefunden hatten. Den angefangenen Tag verbrachten wir dann im Sportklettersektor Kozy.

Am Abend berichteten wir im Café Rueda von unserem Misserfolg und bekamen dafür von den baskischen Kletterern eine genaue Zustiegsbeschreibung inklusive neu gezeichnetem Kroki. Damit klappte es dann, auch wenn es uns auch dieses Mal einige Nerven kostete. Schliesslich standen wir aber endlich am Einstieg und konnten mit dem Klettern beginnen.

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Die Sahara hat insgesamt sechs Seillängen. Die Kletterei ist sehr athletisch und das Ambiente einfach fantastisch. Man befindet sich in einer riesigen Wand und ist umgeben von gigantischen Tufas.

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In der ersten Seillänge der “Sahara”

Leider begann es in der zweitletzten Seillänge zu regnen. Elin kam patschnass am Stand an und so entschieden wir uns für den Rückweg, ohne die plattige Ausstiegsseillänge geklettert zu haben. Im strömenden Regen machten wir uns also ans Abseilen und an den Abstieg zum Auto. Auch wenn wir die letzte Seillänge nicht geklettert sind, haben sich die drei Versuche für diese Route gelohnt.

Der Regen liess den ganzen Abend über nicht nach, sondern verstärkte sich nur noch. Während wir im Aufenthaltsraum des Café Ruedas am Feuer sassen, floss das Regenwasser in Form eines Flusses durch die Auberge durch. Und als wir am nächsten Morgen in unserem Zimmer erwachten, stand unser Bett mitten in einem See. Es war also genau der richtige Zeitpunkt, das Rifgebirge zu verlassen und weiterzuziehen.   

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Bis auf die Knochen durchnässt kamen wir im Café Rueda an.

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Publish date:
April 23, 2026
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