Magic Pecker

Erstbegehung Lagrev Nordwest-Wand

Bericht von Lars Dolf (Go Vertical Athlet)

Als ich mit meiner Family Richtung Piz d’Emmat Dadora lief, wanderten meine Blicke immer wieder in Richtung der markanten Lagrev Nordwest-Wand. Ich fotografierte sie, und zeichnete schon mögliche Routen ein. Kurz darauf schickte ich Andri dieses Bild und fragte ihn, ob wir das mal in Angriff nehmen könnten. Schon eine Woche später passten unsere Agendas zusammen und die Verhältnisse schienen sehr gut zu sein.

Für uns beide war es das erste Projekt in diesem Stil. So kamen viele neue Entscheidungen in der Planung auf uns zu. Anhand den wenigen Informationen die wir von Bergführern hatten, gingen wir von einer Erstbegehung aus.

Am Sonntag, 02.03.25 um 04:30 gabelte mich Andri mit seinem Auto auf. Unser Zeitplan war so ausgemacht, dass wir bei Tagesanbruch auf dem Pass oberhalb vom Legh da Grevasalvas sein wollten. Dort konnten wir die Wand nochmals durchs Fernglas auschecken und unsere Route festlegen. Um circa 06:00 Uhr stapften wir mit unseren Schneeschuhen, den schweren Rucksäcken und einer gewaltigen Ladung Motivation los in Richtung Abenteuer. Schnell stellte sich heraus, dass wir beide Anti-Schneeschuh Alpinisten waren. Trotz dem vielen Fluchen, vor allem beim Traversieren, standen wir 1.5 Stunden später am Fusse der imposanten Nordwest-Wand.

Andri legte die ersten Meter zurück. Ich stürze mich in den ersten steileren Felsaufschwung. Wir gelangten so in ein markantes Couloir. Der darauffolgende Felsabschnitt meisterte Andri souverän. Nun standen wir im etwas flacheren Teil der Wand. Abwechslungsweise kämpften wir uns durch den etwa knie-hohen Schnee.

Auch die technisch leichten Längen wurden so sehr anstrengend. Es wurde erneut steil und felsig. Ich hatte im Vorstieg mit dem Absichern etwas zu kämpfen. Dieser Abschnitt ist auf dem Bild gepunktet zu sehen, da er von hinten auf den Felskopf führt. Von da an folgten wir dem Kamm. Hier war die Felsqualität nicht immer so rosig. Vor einer weiteren, ausgesetzten Felspassage, baute Andri den wohl besten Stand der Route. Ausnahmsweise mal ohne Pecker! Mittlerweile waren wir schon etwa fünf Stunden in der Wand.

Endlich kam die Wechte vom Piz Lagrev immer näher. Den letzten steilen Aufschwung kletterten wir ohne Pickel, da der Fels schön trocken war. Nach einer spannenden Schneetraverse und zwei weiteren Längen, erreichte Andri den Grat zwischen Piz Lagrev und Lagrev-Skigipfel. Wir hatten es geschafft! 

Überwältigt von unserem Abenteuer setzen wir uns hin und genossen das Panorama. Überwältigt waren wir auch wie alles aufgegangen ist: der Zeitplan hatte gepasst, die Verhältnisse wie auch die Einteilung der Seillängen; einfach magisch!  Es war als hätte die Wand auf uns gewartet! Stolz auf unsere Leistung, ging der Abstieg mit den Schneeschuhen auch ziemlich schnell vorbei. Trotzdem kamen uns fast die Tränen, als wir die schönsten Pulverhänge mit den Schneeschuhen runter stolperten;(. Ein grosses Dankeschön geht an den Erfinder der Pecker, ohne dich wären wir aufgeschmissen gewesen!

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Publish date:
März 10, 2025
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Go Vertical Athlet Lars Dolf ist Mitglied des SAC Swiss Ice Climbing Teams. Im Beitrag erzählt er von seiner Wettkampsaison 25/26.