Der Winter ist zwar offiziell vorbei, doch auch im Frühling lohnt es sich mit den Tourenskis oder dem Splitboard loszuziehen. Frühlingstouren haben ihren ganz besonderen Reiz. Wir stellen dir in diesem Beitrag ein paar Highlights vor und zeigen auch, welche Unterkünfte noch offen sind.
Eisklettern als Wettkampfsport
Saisonrückblick Winter 25/26
Bericht von Lars Dolf (Go Vertical Athlet & Mitglied des SAC Swiss Ice Climbing Team)
Französische Meisterschaften, Champagny
Der Auftakt meiner Saison erfolgte bei den französischen Meisterschaften in Champagny. Für mich das erste Mal an diesem Event – ein Wettkampf, der sofort zeigte, wo ich zu Saisonbeginn stehe. Frankreich zählt seit Jahren zu den stärksten Nationen im Eiskletter-Zirkus, entsprechend hoch war das Niveau. Der Eisturm in Champagny bot eine hervorragende Struktur, die Routen waren von einem international erfahrenen Routenbauer geschraubt und trafen das Niveau perfekt. Als erster Wettkampf der Saison war vieles noch unklar – sowohl für uns Athleten als auch für die Trainer. Umso erfreulicher war meine starke Qualifikation, mit der ich mich fürs Finale qualifizieren konnte. Das Finale war technisch anspruchsvoll mit spannenden Moves. Ein Sprung ins Dach wurde mir letzlich zum Verhängnis, dennoch war das Wochenende ein idealer Start, um wieder in den Wettkampfrhythmus zu finden.
Bern, Europacup
Der zweite Halt der Saison war der Europacup in Bern, ausgetragen in der Kletterhalle O’Bloc. Gemeinsam mit dem Team reiste ich mit dem Auto an, ohne grosse Erwartungen – und genau das zahlte sich aus. Mein Kopf war frei, die Nervosität gering. Bereits in der ersten Qualifikationsroute zeigte sich, dass dieser Wettkampf speziell werden würde: Ein völlig neuer Griff, den es zuvor in keinem Wettkampf gegeben hatte, stellte viele Athleten – inklusive Topfavoriten – vor grosse Probleme. Ich konnte diese Schlüsselstelle lösen und hatte somit realistische Finalchancen. Ob es mein Eisgerät war, die Haue oder einfach ein guter Tag – die zweite, deutlich einfachere Route toppte ich souverän. Platz 4 nach der Qualifikation bedeutete mein erstes Europacup-Finale der Saison. Im Finale passierte mir dann ein ärgerlicher Fehler: Ich entschied mich, einen Griff mit der Hand zu halten, was aber nicht funktionierte. Der Sturz war die Folge, und ich fiel auf Rang 7 zurück. Trotzdem überwog die Freude über den Wettkampf und die wertvollen Erfahrungen.

Žilina, EC
In Žilina ging es mit klareren Erwartungen weiter. Ein weiteres Finale war das Ziel, doch die Routen entsprachen nicht ganz unserem Niveau – sie waren sehr leicht. Dadurch war es notwendig, beide Qualifikationsrouten zu toppen, um ein Finale zu klettern. In der ersten Route verpasste ich das Top nur knapp, was mich sehr ärgerte. In der zweiten Quali konnte ich zwar mein bestes Klettern zeigen, für das Finale reichte es jedoch nicht. Ein lehrreicher Wettkampf, der zeigte, wie entscheidend Kleinigkeiten sein können.
Brno, Europacup
Der Europacup in Brno stellte einen echten Härtetest dar. Mit grossem Abstand das grösste Teilnehmerfeld der EC‘s, dazu fünf Qualifikationsrouten – körperlich wie mental ein extrem fordernder Wettkampf. Trotz kleiner Fehler und unnötiger Ausrutscher blickte ich am Ende auf ein sehr solides Wochenende zurück. Rang 14 bedeutete, dass ich erneut im vorderen Feld mitmischen konnte. Vor allem aber nahm ich mit, wie viel Spass mir jeder einzelne Zug machte, selbst unter Nervosität und Wettkampfstress.
Utrecht, Europacup
Wiederum eine Woche später ging es mit dem Nachtzug nach Utrecht. Die Studentenstadt nahe Amsterdam bot eine besondere Atmosphäre. Schnell wurde klar: Fehler würden hier gnadenlos bestraft – entweder 2x Top oder aus. Die erste Route konnte ich souverän toppen, wodurch der Druck für die zweite deutlich anstieg. Vor dem Start war ich extrem nervös, doch trotz kleiner Unsicherheiten am Ende reichte es erneut für ein Top und damit für den Finaleinzug. Zusätzlich gab es hier eine U20-Wertung, bei der im Gegensatz zu anderen ECs ebenfalls ein Finale geklettert wurde. Zuerst stand also das U20-Finale an, danach das Elite-Finale – organisatorisch nicht optimal, mental aber eine spannende Herausforderung. Mit einer „All-or-Nothing“-Einstellung zeigte ich im U20-Finale einen meiner besten Läufe der Saison und holte mir den Sieg. Im Elite-Finale wurde mir eine schwer zu lesende Schlüsselstelle zum Verhängnis, dennoch blieb ein sehr positives Gefühl zurück.

Saas Fee, Worldcup
Nach der Weihnachtspause folgte der Heim-Weltcup in Saas-Fee. Die Atmosphäre im Parkhaus ist einzigartig, gleichzeitig ist alles noch professioneller. Der Wettkampf begann mit der Speed-Qualifikation am Morgen. Nach einem Fehler im ersten Lauf konnte ich im zweiten Run eine solide Zeit setzen, die gerade noch für Rang 16 und damit fürs Finale reichte. Im Finale konnte ich mich dann stark verbessern und beendete den Speed-Wettkampf auf Rang 9. Am Nachmittag folgte die Lead-Qualifikation. Ich startete in der schwereren Route, fühlte mich hervorragend und war perfekt im Flow – bis ein Eisbruch an einem kurzen Eisstück mich abrupt aus der Route warf. Der mentale Rückschlag war groß. Auch in der zweiten Route fand ich nicht mehr richtig in den Rhythmus, ziemlich frustrierend und nicht so wie gewünscht.
Malbun, Youth World Championships
Ein spezielles Gefühl, hier an den Start zu gehen, denn es ist die Struktur, an der ich wöchentlich trainiere. Vertraut, aber definitiv nicht entspannt. In meiner ersten Lead-Quali war ich extrem nervös und kletterte entsprechend verkrampft, kein idealer Start. Trotz des mentalen Tiefs nach dieser Route konnte ich mich in der zweiten Qualifikation jedoch deutlich steigern und zeigte einen soliden Lauf. Die Erleichterung danach war gross, denn als Neunter reichte es knapp fürs Finale. Und dies ist immer eine neue Chance, sich von der besten Seite zu zeigen.
Diese Chance bekam ich dann allerdings doch nicht: Nach einem Jury-Entscheid auf den vorderen Plätzen wurde ich noch aus den Finalplätzen gestrichen, für den Kopf natürlich alles andere als leicht. Am Nachmittag folgte die Speed-Qualifikation, die ich für mich entscheiden konnte. Entsprechend motiviert ging ich ins Finale mit dem Ziel, diese Position zu halten. Gemeinsam mit einem tschechischen Athleten entwickelte sich ein echtes Spitzenduell. Mir fehlte es jedoch an etwas Konstanz, um mich durchzusetzen. Die Enttäuschung war zunächst gross, zeigte aber auch klar, dass keine Medaille selbstverständlich ist. Trotz allem habe ich viel gelernt und nehme viele wertvolle Erfahrungen mit.

Longmont, Worldcup
Nach einer kurzen Erholungsphase ging es über den grossen Teich zum Weltcup nach Longmont. Die Reise in die USA brachte sofort neue Energie – neue Umgebung, andere Wettkampfkultur und eine beeindruckende Atmosphäre. Schnell war klar, dass dieser Event mehr als nur ein weiterer Wettkampf werden würde.
Der Wettkampf begann am Vormittag mit der Speed-Qualifikation. Ich fühlte mich körperlich frisch und mein Kopf war ruhig. Zwei sehr gute Runs reichten für den Einzug ins Speed-Finale am Abend. Dieses entwickelte sich zu einem echten Highlight: Geniale Struktur, laute Crowd und unglaublich enge Duelle. Mit einem starken Auftritt beendete ich den Speed-Wettkampf auf Rang 8, was mir viel Selbstvertrauen für den Lead-Bewerb gab.
Am selben Tag folgte die Lead-Qualifikation. Die Routen waren flowig, technisch und sehr dem Wettkampf-Niveau angemessen. Beide Qualifikationsrouten liefen gut, sodass ich mich mit Zwischenrang 7 fürs Halbfinale qualifizierte.
Das Halbfinale am nächsten Morgen fand unter Finalbedingungen statt – Isolation, Routenbesichtigung, volle Konzentration. Ich startete mit viel Freude und kletterte sehr solide. Am Ende fehlte einen Zug fürs Finale. Mit Rang 10 verpasste ich dieses zwar knapp, doch die Enttäuschung wich schnell dem Stolz. Speed-Finale, starke Lead-Quali und ein solides Halbfinale machten Longmont zum besten Wettkampf der Saison.
Edmonton, Worlcup
In Edmonton folgte der letzte Wettkampf der Saison – bei Temperaturen bis zu -20 Grad. Das Speed-Format im Dualmodus war neu für mich, verlangte eine andere Taktik, funktionierte aber gut. Zwei solide Runs reichten fürs Finale. In der Lead-Qualifikation zeigte ich gutes Klettern, rutschte jedoch in der zweiten Route durch einen kleinen Konzentrationsfehler unerwartet heraus. Nicht das gewünschte Resultat beim ,,Last Dance‘‘ der Saison.
Die Saison 2025/26 war eine emotionale Achterbahn – mit Rückschlägen, Highlights, Finaleinzügen und enormem Fortschritt. Ich habe gelernt, dass nichts selbstverständlich ist, aber auch, dass ich auf diesem Niveau absolut mithalten kann. Jetzt werden die Eispickel in der Ecke ruhen können – der Fokus liegt auf neuen Projekten, klaren Zielen und dem Off-Season Training.




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