Swiss Epic 2023

Die “Schnaps-Idee” oder besser gesagt, die “Bier-Idee”

Bericht von Marcel Gommolla (Velomech Go Vertical Davos, Fullmoons Bergsport)

Ich bin Marcel und Velomech beim Go Vertical Davos (Fullmoons Bergsport), und mit Leib und Seele Mountainbiker. Mein Teamkollege Martin ist IT Experte, Biker der ersten Stunde, liebt leichte unauffällige Bikes, scheut die Bergbahnen sowie Garmin Navis und ist Bier-Liebhaber.

Martin und ich lernten uns erstmals im Fullmoons kennen. Damals mussten noch Lösungen für eine Reparatur gefunden werden. Von da an haben wir gemerkt das wir vom Gleichen reden. Gelegentlich gingen wir Feierabendrunden fahren und beschlossen eines Abends, dass wir uns mit dem Bike über 360 Kilometer und beinahe 11’500 Höhenmetern durch Graubünden kämpfen wollen. Also reichten wir unsere Ferien ein und schmiedeten Trainingspläne.

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Marcel (links) und Martin (rechts)

Leider fanden wir arbeitsbedingt nicht immer gemeinsame Trainingszeit. Oft nur kurze Mittags- oder Feierabendrunden. Nur einmal fuhren wir zwei längere Etappen die sich im Juli noch sehr zäh anfühlten und der Gedanke daran, dass wir noch nicht einmal die Mindesthöhenmeter des kürzesten Tages am Swiss Epic erreichten, machte uns nur nervöser. Die restlichen Einheiten bestritten wir alleine oder oft noch mit anderen Trainingspartnern. Martin bestritt zur Vorbereitung in Tschechien noch ein Rennen „Die Trilogy“, ein Mehretappen Rennen in Tschechien. Eine Woche vor dem Swiss Epic haben wir nur noch leichte bis gar keine Einheiten gemacht.

In Sachen Ernährung nahmen wir es beide nicht so megaernst. Jedoch verzichteten wir auf die eine oder andere Pizza und ersetzten diese durch Salat und Gemüse. Wir waren motiviert und ambitioniert eine tolle Woche abzuliefern und kauften plötzlich Kohlenhydrat-Pülverchen und Protein Riegel. Einige Zeit vor dem Rennen strichen wir das Bier. Für einen waschechten Tschechen wie Martin ein Ding der Unmöglichkeit.

Unsere Bikes liessen wir fast unverändert. Hier und da Anpassungen und kurz vor dem Rennen noch einen grossen Service gemacht. Die Taschen gefüllt mit CO2 Kartuschen, Tubeless Flicken, Schlauch, Hebel, Pumpe, Quicklinks, Schaltauge und Tool, genau was man in der Regel so braucht, um nicht aufgeben zu müssen.

Am Tag vor dem Start rollten wir locker über die Teststrecke und spulten ein paar Höhenmeter ab. Unten angekommen, bemerkte Martin das aus seinem prall gefüllten Werkzeugbehälter quasi alles nützliche ausser seinem Putzlumpen davon geflogen ist. Bravo… Also nochmal hoch… Wir haben das meiste tatsächlich wiedergefunden.

Nachdem wir unsere Startnummern erhielten, bezogen wir unser Zimmer mit Seeblick, gingen zum Essen, beeugten die andere Teilnehmer und bereiteten unsere sieben Sachen vor. Noch schnell das Bike checken, Zeitchip montieren, Kette schmieren. Da hatte ich doch tatsächlich einen fiesen Defekt am Bike der nicht alltäglich ist. Ein Wechselrädchen hatte einen Schaden gehabt und es war klar das wir so nicht starten werden, geschweige den ersten Tag überstehen würden. Es ging also schon gut los und dies zeigte uns das alles möglich ist und jederzeit ein Ab- oder Unterbruch eintreten könnte.

Problem gelöst und nun ab an die Startlinie… kommt schon gut… Päng – Los!

Beine blau, Kopf rot und Augen schwarz

Tag 1: Lenzerheide – Lenzerheide

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Nach der ersten Stunde mussten wir unser Tempoproblem in den Griff bekommen. Dies war nicht so einfach in einem Starterfeld voller kampfgeistgesteuerten Teilnemer/innen. Unseren Joker an den technischen Aufstiegen konnten wir noch gut auspielen. Haben aber auch feststellen müssen, dass es manchmal nicht so effizient ist, da wirklich viele Teilnehmer schoben, den Vortritt nicht immer gewährten und wir damit auch nicht wirklich Boden gut machen konnten. Aber wir kurbelten uns fürs erste ins Ziel.

Der erste Tag war im Sack und wir stellten fest, das wir über unserem Limit fuhren. Also überdachten wir mit den Beinen in eiskaltem Wasser unser weiteres Vorgehen. Für die nächsten vier Tage haben wir beschlossen uns im Feld entweder mehr nach hinten fallen zu lassen oder abzusetzen, damit wir freie Fahrt geniessen können.

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Kings and Queens

Tag 2: Lenzerheide – St. Moritz

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Der Übergang von Lenzerheide nach St. Moritz war mega schön und sehr abwechslungreich. Für mich tatsächlich die persönlich „Kingstage“

Dass es einige Teilnehmer-Paare gab die bereits in Lenzerheide anfingen sich gegenseitig zu schieben machte uns schon sehr stutzig. Auch der Albulapass zollte so manchen Tribut. Dadurch, dass Martin diese Etappe sehr gut kannte, war es uns möglich unsere Kräfte bestens einzuteilen und dies ersparte uns diesen Schmach. In St. Moritz angekommen, gönnten wir uns das erste Bier seit langem. Denn hier wussten wir das wir den Rest auch noch gebacken bekommen.

Flow

Tag 3: St. Moritz – St. Moritz

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Wer bis hier noch keine Anlegerkurven fahren konnte, der hat`s in St. Moritz gelernt. Einer von diesen war Martin. Für mich als Fahrtechnik Instruktor war es einfach zu erkennen was Martin helfen würde diese schier endlosen Kurven zu meistern… Leider haben wir dies irgendwie während unserer Vorbereitung vergessen.

Nicht nur die Kurven machten schwindelig. Denn die anhaltende Anstrengung musste irgendwie Zustande gebracht werden. Bisher haben wir weder von Gels oder anderen Powerriegeln gebrauch gemacht. Nun war es aber soweit, Müsli und Co. waren nicht genug. Diese Energiegels boosteten mich in nullkommanix auf den Berg. Während Martin klassisch Wasser und „Schlumpfwasser“ schlau mischte. An dieser Stelle des Swiss Epic hatten wir endlich den Dreh raus, kannten unsere Kontrahenten die seit nun drei Tagen stets in unser Feld mischten.

Ein kurzer Plausch mit etwas abgehakter Stimme war auch manchmal drin. Lachen und Witzen machen konnten wir auch. High Five und die Ziellinie der 3. Stage war erreicht.

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Ohne Scheiss, kein Preis

Tag 4: St. Moritz – Davos

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Nach einer sehr kurzen und von Durchfall geplagten Nacht, schleppte ich mich mit komischen Gang zum Frühstück. Martin war Putzmunter und gierig auf Speck und Ei und füllte seinen Ranzen ordentlich. Ich dagegen zahlten den Preis für meine Esskultur während Stage 3… Anfängerfehler.

„Nimm nie zum ersten mal Gels an einem Rennen.“, du solltest das schon während deiner Vorbereitung probieren und dich daran gewöhnen. Also schnappte ich mir alle Bananen die ich fand und versuchte so meinen Speicher zu füllen und etwas von diesem auf den Scalettapass mitzunehmen. Ging leider fast in die Hose und aus Angst verzichtete ich auf übermässig Wasser- und Nahrungszufuhr. Martin machte sich etwas Sorgen ob wir so überhaupt nach Davos kommen.

Bis kurz vor Alp Susauna war es echt nicht lustig. Zusätzlich brachte uns noch ein blockierter Schalthebel kurz aus dem Konzept. Das eine oder andere böse Wort fiel. Aber auch das haben wir erwartet und es wurde einfach wieder abgehakt und vergessen.

Den Scalettapass kannten Martin und ich wie unsere Westentasche. Wir freuten uns trotz Anbetracht der Umstände auf den Downhill. Unsere Bikes wurden bis dahin nur sachte drangenommen aber auf unserem Heimterrain und mit einer gewissen Portion Selbstvertrauen knallten wir in Lichtgeschwindigkeit herab und lieferten uns ein paar Positionskämpfe. Das scheppern der Steinplatten und pfeifen der Bremsen räumte uns den Weg frei. Endlich in Davos angekommen erholten wir uns, und besonders ich freute mich auf etwas nahrhaftes.

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Davos schön ist

Tag 5: St. Moritz – Davos

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Wir sind nun schon vier Tage am Stück auf den Bikes unterwegs und sie begleiten uns noch immer zuverlässig. Wir sind sogar ein bisschen traurig darüber, dass es nach der Davoser Stage vorbei sein wird. Also noch ein letztes Mal an die Startlinie… Startschuss… los. Diese Stage ist uns wie auf den Leib geschnitten. Es läuft und wir konnten sogar zu Beginn Boden gut machen. Denn wir wollten unbedingt ungestört auf den Aebirüegg hoch. Dieser besagte Trail ist ein eher technischer Trail der das Überholen schier unmöglich macht. Soweit so gut. Oben am Jatzmeder angelangt empfangen uns unsere Freunde und Familie wir hatten aber kaum Zeit sie wirklich zu geniessen. Denn wir waren fokussiert wie eh und je. Banane, Boullion, Riegel, Schlumpfwasser und noch ein paar Feigen für unterwegs. Endspurt…

Nach ein paar rasanten Alpstrassen Downhills führte unser Weg zurück nach Davos. Wir konnten es kaum erwarten diese geile Plakette, die beweist, das wir die Alpen für einmal bezwungen haben, zu erhalten.

Ein paar kleinere Duelle später waren wir bereits auf dem Weg zum Schlussspurt in den Davoser Kurpark. Gemeinsam fuhren wir Hand in Hand ins Ziel und wurden als das schweizerisch-tschechische Duo vom Speaker empfangen und mit dem so ersehnten Metall geehrt.

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Unsere Freunde, Kollegen, Familien empfingen uns ebenso und feierten uns, als hätten wir gerade die Tour de France gewonnen.

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Wir gaben High fives an all unsere Kontrahenten die uns über die fünf Tage geplagt, gejagt und oft davon gefahren sind. Das war geil.

An dieser Stelle wollen wir uns bei allen Supportern bedanken die uns nicht ausgelacht haben und in Gedanken mit uns mitgefahren sind. Kurz nach dem Rennen wurden wir nach einem Comeback gefragt… wer weiss.

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    5010 5 C MX S
    7’190.00 CHFab 5’194.00 CHF
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    Nomad 6.0 C MX S
    Original price was: 7'990.00 CHF.Current price is: 5'593.00 CHF. inkl. MwSt.
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    Tallboy 5.0 C S
    7’890.00 CHFab 3’945.00 CHF
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    Bronson 4.1 C MX S
    Original price was: 7'890.00 CHF.Current price is: 5'128.00 CHF. inkl. MwSt.
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    Hightower C 29”
    Original price was: 7'590.00 CHF.Current price is: 4'934.00 CHF. inkl. MwSt.
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    Wmns Tech Lite SS Scoop ’21
    Original price was: 90.00 CHF.Current price is: 45.00 CHF. inkl. MwSt.
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    Freerider Pro Men’s
    Original price was: 170.00 CHF.Current price is: 102.00 CHF. inkl. MwSt.
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    Shield M
    139.00 CHFab 127.00 CHF
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    Montebianco 2
    115.00 CHFab 82.00 CHF
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    Freerider Pro Wm’s
    Original price was: 170.00 CHF.Current price is: 102.00 CHF. inkl. MwSt.
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    Yotei LS Mens ’22
    Original price was: 120.00 CHF.Current price is: 84.00 CHF. inkl. MwSt.
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    Redwood Enduro VT Wmns ’22
    90.00 CHFab 50.00 CHF
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    Freerider Pro Canvas W’s
    170.00 CHFab 102.00 CHF
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    5.10 Trailcross LT Men’s
    Original price was: 160.00 CHF.Current price is: 112.00 CHF. inkl. MwSt.
Publish date:
September 13, 2023