Zinalrothorn

prächtiger Gneis auf 4000 Metern

Bericht von Tim Steffen (Go Vertical Ambassador)

Als Kind liebte ich es die Bergbücher im Bücherregal meines Vaters durchzublättern. Die hohen Berge der Alpen zogen mich in den Bann. So durfte ich bereits früh namhafte Spitzen erwandern. Erste Erfahrungen mit Gletschern abseits der Bündner Bergwelt machte ich in der JO. Das war eine super Zeit. Noch immer gehe ich gerne auf Hochtouren, am liebsten in schönem, stabilen Fels. So kann ich mir den Rothorngrat auf das Zinalrothorn, laut ZermatterInnen der schönste lokale Klettergrat auf einen 4000er, nicht entgehen lassen. Im August (2023) konnte ich diese Tour mit Maurin unternehmen. Die Rothornhütte ist bekannt für ihren steilen Zustieg, mehr als 1500 Höhenmeter ab Zermatt gilt es zu ersteigen. In der Nachmittagssonne mit dem ganzen Hochtourenkram war dies kein Zuckerschlecken. Vielleicht war ich in den vergangenen Monaten doch zu häufig Sportklettern und habe meine Ausdauer vergessen. Nun ja, es klappte dann doch prima.

In der Hütte lief bis auf einen kleinen Zwischenfall alles glatt. Da wir über den Nordgrat nach Zinal absteigen wollten fand ich es zu spät mit den übrigen Gästen, welche den Normalweg geplant hatten, um vier Uhr zu frühstücken. Ich fragte, ob es möglich sei, ein paar Brotscheiben für uns bereitzulegen. Leider wurde dies verneint. Also machten wir uns um circa fünf Uhr auf den Weg. Zuerst noch mit den übrigen Gipfelaspiranten, um dann später mit einer deustchen Seilschaft auf den Triftgletscher abzusteigen, welcher als Zugang für den Rothorngrat dient. Wir wussten bereits, dass der Bergschrund unangenehm gross war. Wir mussten im Zickzack uns einen Weg rundherum suchen.

Einmal auf dem Grat angekommen wurde gesnackt. Ich freute mich riesig auf den kommenden Teil. Genusskletterei auf knapp 4000 Metern in perfektem Gneis. Und es war auch einfach absolut der Wahnsinn. Der Fels ist so stabil, er könnte auch aus dem Furka oder der Albigna stammen. Manchmal war er richtig steil, gespickt mit kleinen Dächern. Diese Kletterei in einem solchen Ambiente dürfte schweizweit schwer zu toppen sein. In der Gabel stiessen wir dann auf den Normalweg zum Zinalrothorn. Die berüchtigte Binerplatte kam uns nach dem vorangegangenen Teil sehr einfach vor. Ich denke aber, bei Vereisung dürften die Verhältnisse hier heikel sein. Kurz vor dem Gipfel mussten wir noch einem Gipfelstürmer beim Abseilen helfen. Irgendwie hatte der komplett vergessen, wie das geht…

Um 11.30 waren wir dann auch auf dem Gipfel, welcher mit einem Jesus am Kreuz beschmückt ist. Trotz umwerfender Aussicht aufs Obergabelhorn, machten wir uns bald auf den Weg, denn der Abstieg nach Zinal ist lange. Der Nordgrat war noch leicht schneebedeckt, so galt es in Steigeisen zu klettern. Am Ende des Grates gibt es eine bekannte Stelle, das sogenannte Rasoir (Rasiermesser). Eine dünne Schuppe, welche ob all den Steigeisenkratzern ziemlich abgelutscht daherkommt. Na ja, eigentlich war ich ein wenig enttäuscht. Irgendwie habe ich mir das von Fotos und Berichten exponierter vorgestellt.

Am Ende des Grates auf dem Glacier de Moming gab es noch ein letztes Hindernis: eine grosse Querspalte. Bereits auf dem Gipfel habe ich die gesehen und mich gefragt, wie wir diese am besten überqueren. Ehrlich gesagt bereitete es mir schon dort ein wenig Sorgen. Auf dem Nordgrat habe ich dieses Gefühl aber erfolgreich ausgeblendet. Jetzt vor der Spalte wurde mir klar, dass dies nur mit einem grossen Sprung klappt. Die Spalte war an der schmalsten Stelle etwa einen Meter breit und konnte nur mittels einer überhängenden Eisnase überquert werden. So baute ich eine Verankerung und sicherte Maurin mit einem Halbmast, bevor er zum Absprung ansetzte. Auf der anderen Seite machte er dasselbe für mich. Vielleicht war ich bereits müde, aber ich fand das echt unangenehm.

Kurz vor fünf kamen wir dann in der Cabane du Mountet an. Wir wollten aber nicht hierbleiben, sondern trabten gleich weiter Richtung Zinal, wie wir dachten. Blöderweise haben wir einen alten, falschen Weg erwischt und durften so nochmals zwanzig Minuten zurück zur Hütte hochsteigen. Das waren laaange zwanzig Minuten. Am Schluss haben wir es dann doch noch geschafft und stiessen auf die Wahnsinnstour in einer Pizzeria in Zinal an. Hoffen wir, dass sich das Wetter noch bessert und wir einen tollen Hochtourensommer erleben können.

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Publish date:
Juli 9, 2024
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